18. bis 24. Oktober 2000 und 9 : Besuch bei Isabelle in Schottland


Mich erwartete eine 13- Stundenreise… Clare, Patrick und Theo musste ich noch an dem Samstag Vormittag mit dem Auto zum Flughafen in London bringen, weil sie für eine Woche nach Italien in den Urlaub flogen – Deshalb hatte ich auch eine ganze Woche Urlaub:)
So machte ich mich um 21 Uhr mit dem Zug nach London auf; dort würde dann meine lange Busfahrt starten nach Schottland zu Isabell, meiner Schulfreundin, die dort Au-Pair ist. Ich setzte mich neben eine, die nach Ich-bin-eine-nettes-Mädchen ausschaute. Sie ist Australierin, und hat mir erzählt, dass sie Freitag wieder mit dem Nachtbus zurück fahren würde … – wie ich:)
Schön, also war es keine einsame Reise. Die 9h -Fahrt war nicht gerade sehr bequem. Beinfreiheit war nicht wirklich zu spüren und auch mit dem Kopf wusste man nicht wo hin! Doch komischerweise schaffte ich es, recht viele Stunden zu schlafen! Mit der Morgensonne um 7 erreichten auch wir Edinburgh. Wunderschöne Architektur! Isa´s Bus kam 10 Minuten später an- sie wohnt ca 1 h Busfahrt entfernt von Edinburgh. Vollster Freude und Glück , uns zu sehen, wollten wir nun Edinburgh erkunden. Man muss nur einige Minuten vom Zentrum aus laufen und schon steht man vor einem riiiesigen Berg, dem Arthur´s seat ( Zitat Isa: “ Geschätzte einige tausend Meter hoch“).



Wir waren uns der Gefahr bewusst. Sauerstoffmasken hatten wir , nebenbei gesagt, natürlich nicht mit! Man kann sagen, wir waren naiv, aber wir entschuldigen das mit unserem jugendlichen Leichtsinn. Es war eine tolle Wanderung. Zwar am Anfang sehr anstrengend und steil, doch es hat sich absolut gelohnt. Aller paar Meter sagten wir: aahr bleib doch mal stehen ich muss ein Foto machen. Dort, da ist das Meer!
Wir hatten einen tollen Blick über Edinburgh, das Wetter war auch noch gut. Spitze, das wir diese 251 m- Tour gemacht haben!:)

Unten wieder angekommen, stellten wir uns zu den kleinen Menschentrauben vor einer Absperrung und feuerten fanatisch hunderte Hindernisläufer an. Ulkig, was so alles in Edinburgh los ist. Edinburgh ( ausgesprochen dort Edinbrah) ist total frisch, hat viel Natur, tolle Bauweisen ( obwohl alles grau aussieht und aus Stein ist) und es hat Kleinstadtflair.

Am späten Nachmittag sind wir dann mit dem Bus zu Isa´s Gastfamilie gefahren in Dunfermline ( größere Kleinstadt). Dunfermline hat eine ganz tolle alte Abbey. Vom royal palace sind nebenan nur noch Ruinen zu sehen. Also ein wahnsinnig interessanter Ort , nebst Park mit Prinzessinnenhäusschen.


Ihre Gasteltern sind total nett, noch recht jung und haben zwei kleine, süße Bübchen ( 2 und 4 Jahre). Isa musste die Woche über arbeiten, sodass wir oft mit den zwei kleinen Jamy und Harry im Park und auf dem Spielpatz waren, oder zu Hause gebacken haben, Kürbise ausschnitzten, malten, Kinderserien anschauten, Dotty Dinosaurier spielten und und und.

Mit Isa´s Gastmutti Beccy sind wir an einem Nachmittag mit dem Auto weiter nördöstlich ans Meer gefahren, um dort eine Immobilie anzuschauen. Das Meer hat ganz schön gebraust – sah toll aus. Doch wir blieben nicht lang, da das Wetter immer schlechter wurde.

Wieder „zu Hause“ angekommen, ich bin ein Drops, bin ich erstmal die Treppe runtergeflogen. Schon bei der Ankunft dachte ich, ach du grüne Neune, die haben auch eine Teppichtreppe, da rutsch ich bestimmt irgendwann aus. Gesagt, getan. Der Lohn meiner Tollpatschigkeit war ein überaus riesiges Hematom am Ellenbogen und eine ( wahrscheinlich ) gebrochene mittlere Zehe. Ich Plaatsch! Aber jetzt ist schon wieder einigermaßen alles verheilt.

Abends kuschelten wir uns immer in Isa´s großes Bett und schauten , schon fast süchtig, Serien von Grey´s Anatom im Internet an:)
Am letzten Abends machte uns Beccy ( sie ist Kosmetikerin), weil sie üben musste, künstliche Wimperchen ran. Man lag also auf einer hohen Lieg total bequem und zum entspannen gab es ordentlich Wärme von unten , so dass man schon fast das Gefühl hatte, einzupullern:)
Freitag Nacht musste ich dann auch schon wieder , nicht gerade freiwillig und voller Vorfreude, meine 13-Stundenreise nach England antreten. Oft malten wir uns aus, wie es wäre, wenn wir im selben Ort Au-Pair wären. Das wär richtig toll gewesen! Der Abschied fällt da schon schwer, zumal man sich in der Woche schon etwas an einander gewöhnt hat! Ich erhaschte jedenfalls in Edinburgh einen sehr guten Sitzplatz im Bus. Ganz alleine hatte ich 2 Sitze, yeah! Beinfreiheit! Bequem! jippi! Ein Platz hinter mir ließ sich ein knapp 20-Jähriger nieder. In der Hand eine Flasche Schnaps und sehr betrunken! Er schwafelte nur mist und ich machte mir langsam Gedanken , wie ich mich am besten schützen sollte, wenn er sich übergeben müsste… Arme über den Kopf? Lieber am Fenster sitzen bleiben oder doch nach rechts rutschen? Zum Glück saß vor mir die junge , nette Australierin , die ich ja schon von der Herfahrt kannte. Wir haben uns so lange unterhalten, bis der hinter mir eingeschlafen war. Nun konnte ich also erstmal beruhigt meine Musik und ein paar Hörspiele anhören und schlummern. Samstag Vormittag schließlich war ich wieder daheim- daheim. Caroline, die Tante hier, hat mich vom Bahnhof abgeholt und nach Hause geschafft, wo schon die Oma gewartet hat und ich alles berichten musste. Die beiden sind total niedlich und sehr interessiert:)
Noch ein bisschen k.o. von der Reise musste ich dann abends noch nach London kurksen, um die anderen wieder vom Flughafen ein zusammeln.
Danke, liebe Isa, für den tollen Urlaub!
Wörter der Woche:
„Grey´s Anatomy“
„Ich muss mal pullern, aber habe keine Lust „